Kirchgemeindenachrichten Oktober 1989


Pfarrer Werner Pescheck, Sohn von Dr. med. Christian Friedrich Pescheck, wurde am 13. September 1909 im Arzthaus von Gaußig geboren. Sein Vater Christian Friedrich Pescheck hatte wenige Jahre vorher die Gaußiger Arztstelle übernommen. Er entstammte einer weithin bekannten Lausitzer Pfarrersfamilie. Ein Vorfahre von ihm starb 1645 im Hungerturm zu Prag um seines evangelischen Glaubens willen. Von dieser Zeit ab läßt sich die Familie Pescheck in der Lausitz nachweisen.
  Sie gehörten somit zu den Böhmischen Exulanten. In jeder Generation stellten Peschecks Pfarrer. Besonders häufig trifft man auf diesen Namen im Zittauer Gebiet. Die meisten unserer Kirchgemeinde werden den Oybin bei Zittau besucht haben - manches Paar wurde dort getraut. Wir verdanken es dem Urgroßvater von Pfarrer Pescheck, daß die Ruine des Oybinklosters wissenschaftlich erschlossen und gesichert wurde. Eine Bronzebüste auf dem Oybin erinnert an diesen bedeutenden Heimatforscher. Auch er war ein Pfarrer. Gerade im vorigen Jahrhundert leisteten viele sächsische Pfarrer Großartiges für die Heimatforschung. Die Mutter von Pfarrer Pescheck ist im Gaußiger Pfarrhaus geboren. Sie war die Tochter des Gaußiger Pfarrers Jäckel, in dessen Amtszeit die Erbauung der heutigen Kirche fällt. Da ihr Mann als Zollbeamter dienstlich sehr oft unterwegs war, hatte die junge Frau sich zur Entbindung in das Haus ihrer Eltern begeben.
Dr. Pescheck galt als gewissenhafter und guter Diagnostiker, der Naturheilverfahren gegenüber sehr aufgeschlossen war. Von ihm sagt man, daß er die Brennessel angebaut hätte, wenn sie nicht so häufig wäre. Seine Aufgaben als Arzt umfaßten auch kleinere chirurgische Eingriffe, wie auch die Geburtshilfe, und wenn alle Stricke rissen, kümmerte er sich auch noch um krankes Vieh.
Im Arzthaus befand sich damals auch eine Filiale der Apotheke von Demitz-Thumitz, die von der Arztfamilie mit betreut wurde. Dr. Pescheck war auch Hausarzt bei der gräflichen Familie. Natürlich hatte er auch seinen Ärger, wenn er nachts unnötigerweise herausgeklingelt wurde, wenn Patienten ihre Medizin nicht nahmen und wenn die Helden von Schlägereien beim Nähen ihrer Wunden ihr Heldentum aufgaben.

Da er 3 Söhne im Studium hatte, seine Schwiegermutter und 2 Schwestern in Zittau mit versorgte und die Inflation auch sein Erspartes vernichtete, herrschte bei Peschecks immer eine finanziell angespannte Situation. So gut sie konnte, unterstützte die Arztfrau ihren Mann durch den Verkauf von Handarbeiten. Die 3 Söhne schlugen unterschiedliche Richtungen ein: Pfarrer, Arzt und Ingenieur. Werner Pescheck besuchte die Schule in Gaußig und später das Gymnasium in Bautzen. Theologie studierte er vor allem in Leipzig und ein Semester in Tübingen. In Leipzig gehörter er, wie sein Vater, der Vereinigung der Zittauer Studenten an und dort holte er sich auch, wie sein Vater, die eindrucksvolle Gesichtsverletzung, den Schmiß - ein fast ausgestorbener Akademikerbrauch.   Nach den Examina 1933 und dem Arbeitsdienst wurde er in Glaubitz bei Riesa Vikar. 1936 heiratete er. 11 Jahre war er Pfarrer in Hundhübel und dann 10 Jahre Pfarrer in Aue. Sein letztes Amt war eine Pfarrstelle der St.-Pauli-Kirche in Dresden. 1974 trat er in den Ruhestand. Sein Vater zog nach dem Tod der Mutter von Pfarrer Pescheck zu dem Sohn, der in Gröditz bei Riesa als Ingenieur tätig war. Dort wurde er nach dem Zusammenbruch ausgeplündert. Sein ältester Sohn, dem als leitendem Arzt das Lazarett in Halberstadt unterstand, verlegte das Lazarett nach der Bombardierung Halberstadts in den Ort Harsleben. Weil die Versorgung günstiger war, holte er seinen Vater zu sich, der dort 1947 starb und beigesetzt wurde.
Viele der Älteren werden sich sicher an die Familie Pescheck erinnern. Gott, der Herr, beschenke Pfarrer Werner Pescheck mit der Zuversicht auf Vollendung in seinem ewigen Reich.

Pfr. Gerd Frey