Kirchgemeindenachrichten 1985 bis 1987


Der lange Weg bis zur Fertigstellung der neuen Friedhofskapelle

85 Mai

Auf unserem Friedhof soll nun dieses Jahr erstmalig ein würdiger Totenraum errichtet werden. Der bis dahin benutzte Raum ist eine Gruft, die zum Gut Arnsdorf gehörte; er entspricht in keiner Weise mehr den Anforderungen heutigen Friedhofswesens.
Herr Architekt Ehrlich aus Bautzen, der in Gaußig bereits den Anbau am Kantorat projektiert und beim Schulneubau mitgearbeitet hatte, entwarf eine Lösung.

85 Juli

In der Woche nach Pfingsten begann nun Maurermeister Alwin Petrich aus Günthersdorf mit dem Bau unseres Friedhofsgebäudes. Ihm sei an dieser Stelle gedankt für seine Bereitschaft, diesen Auftrag zu übernehmen. Obwohl Herr Petrich im Ruhestand lebt, ist er ein vielgefragter Mann, da seine Dienste sehr benötigt werden. Auch sei hier Herrn Liebstein jun. aus Katschwitz gedankt, der die Bauleitung übernahm, obwohl er selbst ein großes Maß an privaten und öffentlichen Pflichten zu erfüllen hat. Herr Tischlermeister Henker will es ermöglichen, daß zur rechten Zeit die benötigten Fenster und Türen für dieses Gebäude fertiggestellt sind. Es wird nun die Bitte ausgesprochen, daß sich für diese notwendige Aufgabe wieder viele Helfer und Spender finden.
Als zweiter Maurer wurde Herr Winfried Smie aus Naundorf gewonnen. Die Kirchenvorsteher Bertram Löhnert aus Zockau, Ernst Hoffmann aus Kleingaußig und Erdmann Häntzschel aus Naundorf haben vom Kirchenvorstand her die Arbeiten sehr unterstützt. Unsere Kirchendiener Johannes und Andreas Hoffmann, Ingo Mildner und Enrico Paul haben als Handlanger notwendige Unterstützung gegeben. Hoffen wir, daß sich noch viele ansprechen lassen, um bei diesem wichtigen Vorhaben zu helfen.

 

85 September

Die Arbeiten auf dem Friedhof sind in einer guten Weise vorangekommen. Vater und Sohn Stephan haben als Zimmerleute die Gerüstbau- und Dacharbeiten übernommen. Die Materiallieferungen klappen einigermaßen. In der nächsten Zeit werden daher wieder Spendenbriefe an die Gemeindeglieder gegeben mit der Bitte, für dieses Projekt mit beizutragen.

86 September

In den letzten Wochen ist es auf unserem Friedhofsbau wieder tüchtig vorangegangen. Das Mauerwerk ist innen verfugt und außen verputzt, Fußbodenbeton ist überall gelegt und auch die Zimmerleute haben ihre Arbeit wesentlich vorangetrieben. Die Tischlerfirma Heinz Henker will bis spätestens Oktober ihren Anteil an diesem Bau verrichtet haben und Dachklempner sowie Dachdecker von den Firmen Gabriel haben ebenfalls zugesagt. An Maurerarbeiten sind als letztes noch die Treppenaufgänge an der Halle zu schaffen. Es soll versucht werden, noch in diesem Herbst einigermaßen das Gelände um die Friedhofskapelle zu kultivieren. Wenn sich alle Erwartungen erfüllen, könnte die Kapelle schon in diesem Jahr geweiht und in Dienst genommen werden. Herrn Beier und Herrn Löschau sei an dieser Stelle in besonderer Weise gedankt, daß sie kurzfristig die Arbeiten übernommen haben, die der vorher verpflichtete Zimmermann nicht mehr ausführte. Dadurch wurde ein regelrechter Baustop vermieden. Dank auch an Herrn Gerber aus Neudrauschkowitz, der notwendig gewordene Malerarbeiten, so das Streichen des Holzes mit Xyladekor, übernommen hat. Ebenfalls erwähnt sei, daß Elektromeister Bernd Garten seine Arbeiten zur vollsten Zufriedenheit in Abstimmung mit dem Baugeschehen durchführte. Firma Walter Bergt wird dann den Wasseranschluß von der Baracke im Schulgebäude zur Halle besorgen.
Aber dieses ganze Unternehmen wäre ohne den persönlichen Einsatz von Herrn Alwin Petrich aus Günthersdorf kaum so weit gediehen.


Herrn Heinrich aus Diehmen, Herrn Martin Müller und Herrn Richard Kästner und vielen anderen Helfern, die sich für den Bau einsetzten, sei an dieser Stelle auch gedankt.
Als 1983 die Vorüberlegungen zum Bau einer Feierhalle durchgeführt wurden, ging ich als Pfarrer von einem staatlichen Gesetz aus, nach dem solche Objekte, wenn sie in kirchlicher Regie erstellt werden, staatliche Gelder als Investitionsbeihilfen erhalten. Selbstverständlich habe ich mich im Einvernehmen mit dem Kirchenvorstand und mit dem Kirchenamtsrat um so eine Investitionsbeihilfe bemüht. Und unbürokratisch wurde dieses auch gewährt. Doch nun ergab sich eine neue Situation, weil ein neues, noch nicht bedachtes Gesetz in Anwendung gebracht werden mußte. Dies besagt, wo staatliche Gelder einfließen, erheben die Behörden einen notariell festgeschriebenen Anspruch auf Mitbesitz in der prozentualen Höhe ihres Wertbeitrages zum Gesamtobjekt.
Als in einem Gespräch mit der Bürgermeisterin mir dieses bekannt gemacht wurde, hat daraufhin der Kirchenvorstand beschlossen, den Bau endgültig, auch finanziell, in eigene Regie zu übernehmen.
Dieses bedeutet, daß ich die Gemeinde noch einmal um Spenden bitten muß. So wollen wir beim Erntedankfest in besonderer Weise für dieses Unternehmen sammeln. Da die Benutzung der Halle allen Bürgern ohne Unterschied der Kirchenzugehörigkeit, die auf unserem Friedhof zur Ruhe gebettet werden, offen steht, so können sich alle Einwohner an dieser Spendenaktion beteiligen.
Möge daher bald dieses notwendige und langerwartete Werk abgeschlossen werden.

 

86 November

Die Bauhülle der Friedhofskapelle ist nun endgültig fertig. Die Zimmerleute haben die Innenverkleidung der Decke beendet. Dafür sei Herrn Beier und Herrn Löschau nochmals Dank gesagt. Herr Gerber aus Neu-Drauschkowitz hatte das Streichen der Holzteile übernommen; nun ist diese Arbeit beendet. In schneller Weise konnte die Wasserleitung von der Baracke im Schulgelände zur Kapelle gezogen werden. Klempnermeister Walter Bergt wird nun die Installation der Wasserleitungs- und Toilettenanlage vornehmen. Zur Zeit (Anfang Oktober) stellt die Firma Heinz Henker die Fenster und Türen her. Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, können innen der Fußboden und die Wände endgültig fertiggestellt werden. Als arbeitsintensiv wird sich demnächst die Beräumung des umliegenden Geländes und seine anschließende Gestaltung erweisen. Doch soll das vor Totensonntag im wesentlichen abgeschlossen werden. Es ist zu erhoffen, daß die Friedhofskapelle dieses Jahr schon geweiht und ihrer Bestimmung übergeben werden kann.


87 Juli

Mit unserer Friedhofskapelle treten wir nun in die dritte Bauperiode. Langsam aber sicher nähert sich das Werk der Vollendung.
Unbürokratisch und schnell wurden im letzten Jahr noch die Eisenrahmen für die Kapellentore von der Firma Schober in Gnaschwitz erstellt. Die Firma Henker hat im vorderen Teil des Gebäudes alle Türen eingebaut. Zur Zeit werden die nicht unkomplizierten Fenster erstellt. Auch Klempnermeister A. Gabriel, Grubschütz, hat den größten Teil seiner Arbeiten bereits er-ledigt. Sein Vater, der Dachdeckermeister Gabriel, Bautzen, will dann die Dachdeckung übernehmen. Für alle anfallenden Zimmermannsarbeiten haben Herr Löschau und Herr Beier, Gaußig, ihre Bereitschaft erklärt, diese zu übernehmen. Auch wurden schon Steine angefahren für die Aufschüttung am hinteren Teil der Kapelle. Herr Schoffka, Medewitz, hat aus seiner Azaleenzucht Pflanzen zur Verfügung gestellt und wird noch einmal im Herbst bei der Flächengestaltung um die Kapelle Pflanzen stiften.

 

Die Gärtner Wilfried Jarosch, Bautzen, und Renate Lehmann, Gaußig, haben zugesichert, im Herbst die Flächengestaltung um die Kapelle zu übernehmen. In den Dörfern Weißnaußlitz, Günthersdorf und Diehmen wurden Anfang Mai Spendenbriefe ausgegeben. Damit konnten die angefallenen Rechnungen bezahlt werden. Im Laufe des Sommers wird dann auch in den anderen Dörfern um Spenden gebeten.

87 August

In den Monaten Mai und Juni ist in der Friedhofshalle sehr viel fertig geworden. Wenn die Tore schon angefertigt wären, könnte man die Beerdigungen schon von der Friedhofskapelle aus durchführen. Die erste Andacht wurde am Johannistag in ihr gehalten. Besonders ins Hintertreffen sind die Malerarbeiten geraten, doch wir hoffen, daß noch im Laufe des Sommers Fenster und Türen gestrichen werden und die Kapelle mit einem Außenanstrich versehen wird. Die von Herrn G. Liebstein vorgesehenen Punktstrahler entziehen sich permanent der Beschaffung. Irgendwann werden wir sie aber wohl doch bekommen. Bis dahin freilich verunzieren noch 6 Kabelstränge die Decke.


Die Zuführung der Energie auf die Baustelle geriet vorübergehend in eine kleine Krise. Der beim Energiekombinat bestellte Stromzähler ließ zu lange auf sich warten. Kurz entschlossen bin ich selbst zum Energiekombinat gefahren. Der zuständige Kollege brachte den Zähler, und wir fuhren gemeinsam in meinem Auto nach Gaußig. In der Zwischenzeit hatte man aber in dem neuen Günthersdorfer Trafo-Haus die Stromzuführung zur Friedhofskapelle unterbunden. Nun war der Zähler da, aber trotzdem kein Strom. Doch in überraschend kurzer Zeit war dann alles zur Zufriedenheit geregelt worden. Ein Dank sei an dieser Stelle dem Elektromeister B. Garten gesagt, der immer zur Stelle war, wenn er gebraucht wurde. Malermeister Pilz aus Schirgiswalde hat es übernommen, für die Nische an der Außenwand der Kapelle ein Kruzifix zu versorgen. Es konnte noch keine Klarheit erzielt werden, welchen Bibelspruch wir an der Außenwand verwenden. Herr Petrich und Herr Noack aus Günthersdorf und auch Herr Heinrich aus Diehmen haben alle Detailarbeiten an der Kapelle weitestgehend erledigt. Sie werden sich nun um das Verlegen der Platten und um die Restaurierung der hinteren Friedhofsmauer kümmern.

 

87 September

Die Herren Löschau und Beier aus Gaußig haben als Zimmerleute die Tore der Friedhofskapelle soweit fertiggestellt, daß die Kapelle nunmehr verschlossen ist. Des weiteren haben sie für den Geräteraum an der Friedhofsmauer einen neuen Dachstuhl erstellt. Michael Richter aus Zockau hat dafür die Dacheindeckung übernommen. Die benötigten Dachziegel stellte dafür dankenswerterweise die Familie Beyer aus Günthersdorf zur Verfügung. In die fertiggestellte Friedhofsmauer wurde eine Grabplatte der Brauereipächterswitwe Steudtner eingefügt. Dieses Grabmahl aus Sandstein gehörte zum Familienbegräbnis der Steudtners, das sich neben dem alten Totenhaus befand. Das alleinstehende große Kreuz ist davon bis heute übriggeblieben. Bei der Auflösung der Grabstelle wurde die in gutem Zustand befindliche Sandsteinplatte als Fundamentstein für das Grabmahl der Familie Heimert, Gaußig, verwendet. Bei der Auflösung dieser Grabstelle wurde diese Platte mit großer Vorsicht geborgen und ist damit das einzige Grabmahl ihrer Art auf unserem Friedhof.
Die Familie Steudtner war vor über 100 Jahren im Ort Gaußig sehr angesehen. Der Sohn der Brauereipächterswitwe Christiane Steudtner, Karl August, war in Gaußig der erste Kirchenvorsteher, der erste Standesbeamte und auch Bürgermeister. Er setzte sich maßgeblich für den Kirchenneubau ein.


87 November




Eigentlich wäre es sehr schön gewesen, wenn man die Friedhofskapelle nicht in diesem halbfertigen Zustand abbilden müßte. Aber nachdem die entscheidenden Arbeiten abgeschlossen sind, entstand beim Maler ein viermonatiger Aufschub. Da immer sofortiger Arbeitsbeginn in Aussicht gestellt wurde, ist der Sommer vergangen und Herbst geworden. Die ersten Beerdigungshandlungen hätten durchaus schon in der Kapelle stattfinden können. Nun werden wir uns wohl noch etwas gedulden müssen. Wenn Christus spricht: "Deine Rede sei ja, ja und nein, nein", so hat er für unser aller Leben eine Richtschnur gegeben. Und wir haben es erlebt, wie die Gaußiger Handwerker, der Maurer, Tischler und Zimmerleute, Elektriker und Klempner u. a. zu ihrem Worte standen.

So ist nun die Friedhofskapelle fertig geworden, wenn auch nicht mit den Malerarbeiten. Auch konnte die Frage der Reinigung und Unterhaltung der Friedhofskapelle zufriedenstellend geregelt werden. Eine besondere Freude für uns alle ist die mit viel Mühe restaurierte Mauer. Dies ist um so anerkennenswerter, da sie in ganzen Partien zerstört war und völlig neu aufgeführt werden mußte, auch für erfahrene Maurer eine ungewohnt harte Arbeit.

 

Dankenswerterweise hat Herr Noack vom Zockauer Bahnübergang auf dem Friedhof das Gras gehauen, und Herr Martin Müller, Günthersdorf, übernahm es wie Herr Noack freiwillig, Bäume und Büsche auszusägen. Damit hat sich der Gesamtzustand unseres Friedhofes in diesem Jahr entscheidend verbessert. Es gibt nur noch einige wenige verwilderte Gräber. Dies soll aber bis Totensonntag geklärt werden.





87 Dezember

Einweihung der Friedhofskapelle
Am Sonntag "Aller Heiligen" wurde im Anschluß an den Gottesdienst die Gaußiger Friedhofskapelle eingeweiht. Die Gemeinde begab sich in einem langen Zug vom Gotteshaus zum Friedhof. Im Zug wurde die Fahne der evangelischen Jugend von Diehmen mitgeführt, die bei der Glockenweihe 1857 geweiht wurde. Der Posaunenchor erwartete die Gemeinde auf dem Gottesacker.

 

Nach entsprechenden Lesungen und Gebeten wurde im Namen Jesu den Finsternismächten geboten und Gott angerufen, daß der Geist des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung in dieer Kapelle gegenwärtig sein möge. Mit dem Kreuzesstab wurden die 5 Kreuze, die die 5 Kreuzeswunden Jesu symbolisieren, auf den Boden gezeichnet. Die Gemeinde sang dazu "Christi, du Lamm Gottes". Nach einem Segen war die Weihehandlung beendet. Möge Gott der Herr uns in diesem Hause den Trost seines heiligen Wortes erfahren lassen und uns in der Gewißheit einer von ihm erfüllten Zukunft unsere Toten zu ihrer letzten Ruhestätte geleiten.


Pfr. Gerd Frey